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September 2009 | Christsein und politische Verantwortung
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Alltag eines ehrenamtlichen Bürgermeisters

 

Nach reiflicher Überlegung habe ich im Jahr 2002 das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters in der Gemeinde Prisdorf mit ca. 2.200 Einwohnerinnen und Einwohner angenommen und übe im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus bis heute dieses Amt aus. Vorher hatte ich für mich die Frage zu klären: Als Christ Politik machen? Geht das oder ist Politik doch nur schmutzig oder wird in der Politik doch nur gelogen? Ich habe während meiner bisherigen Amtszeit versucht, diesem Klischee entgegen zu wirken. Wichtig ist mir geworden, dass ich als Christ auch politische Verantwortung übernehmen kann; mich einmische in politische und gesellschaftliche Fragen. Es ermöglicht große Chancen für uns Christen mit Menschen in Kontakt zu gelangen, die wir in der Regel nicht in unseren Kirchengemeinden und Gemeinschaften erreichen. Im Buch Jeremia 19,7 sind wir nicht nur dazu aufgefordert für unsere Stadt und für unsere Gemeinde zu beten, sondern auch ihr Bestes zu suchen. Als Christ stehe ich dabei unter besonderer Beobachtung, ob mein Reden und Handeln übereinstimmen. Wie gehe ich mit den unterschiedlichen Vorstellungen, Meinungen, Ideen von Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern, Bürgerinnen und Bürgern um?

 

titelthema_09Auf jeden Fall ist es ein wesentlicher Punkt für mich, unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren und mit den einzelnen Personen wertschätzend und respektvoll umzugehen. Auch wenn nicht alles Umsetzung finden kann. Gleichzeitig stehe ich in der besonderen Verantwortung, die Bundes- und Landesgesetze und ergänzende Verordnungen zu beachten und einzuhalten. Mein Ziel ist es dabei, in einem kleinen überschaubaren Rahmen Gutes für die Menschen in unserer Gemeinde zu bewirken und dabei Gottes Auftrag (Zeuge Jesu Christi zu sein) nicht zu vergessen.

 

Bei der Übernahme der Bürgermeistertätigkeit habe ich einen großen Schuldenberg (über eine Million Euro) vorgefunden. Die Handlungsfähigkeit der Gemeinde war extrem eingeschränkt. Wie löst die Gemeinde sich aus der Schuldenfalle? Wie können die notwendigen Investitionen für den Kindergarten, Schule, Freiwillige Feuerwehr und verschiedene Sportvereine finanziert werden?

Mit einem Beispiel führe ich eine Vorgehensweise auf: In den Jahren vor meiner Tätigkeit als Bürgermeister war es in vielen Gemeinden üblich, mit der Erschließung von Baugebieten die Zuweisung für die Einkommensteuer zu erhöhen und beim Verkauf der Grundstücke an einzelne Grundstückseigentümer hohe Erlöse erzielen zu lassen. Dies war für mich kein Modell für die Zukunft. Zukunftsfähig ist der Ankauf von Bauerwartungsland durch die Gemeinde zu einem angemessenen Preis. Danach erfolgt die Erstellung eines Bebauungsplanes, die Erschließung des Baugebietes und der Verkauf der einzelnen Grundstücke zu marktgerechten Preisen. Mit dem Reinerlös aus den Grundstücksverkäufen können die vorzuhaltende Infrastruktur (Kindergarten, Schule, Feuerwehr) finanziert werden und kommen so allen Bürgerinnen und Bürgern zu gute und nicht einzelne Personen.

Mit etlichen Gewerbebetrieben in unserer Gemeinde bin ich immer wieder im Gespräch und höre von ihnen, wo der "Schuh drückt". Dann versuche ich, mit ihnen gemeinsam Lösungen zu finden auch mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu erhalten oder neue zu schaffen. Leider kommt es vor (zum Glück nur sehr selten) dass bestimmte Gewerbebetriebe (z.B. Spielhallen) sich ansiedeln wollen und es rechtlich nicht zu verhindern ist.

 

Den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern versuche ich auch in der von mir angebotenen wöchentlichen Sprechstunde zu halten. Da stehe ich als Ansprechpartner, Helfer und manchmal auch schon fast als Seelsorger zur Verfügung. Einige Menschen kommen zu mir, weil sie in ihrem persönlichen Leben mit viel Leid, Krankheit u.ä. konfrontiert sind. In diesen Situationen ist das Zuhören bereits eine Hilfe. Wenn ich dann Trost spenden, ein Wort der Ermutigung sagen und evtl. Wege zur Lösung des Problems aufzeigen kann, freue ich mich besonders darüber. Bei repräsentativen Terminen (z.B. Jubiläen) verbinde ich meine allgemeinen Glückwünsche mit dem Zuspruch des Segens Gottes für die Jubilare.

Sehr dankbar bin ich für die vielfältige und beratende Unterstützung durch meine Frau. Ohne sie wäre manches nicht möglich.

 

Von großer Bedeutung für mich ist es, den vielen Gesprächspartnern zu signalisieren, dass ich bemüht bin, in allen Dingen ehrlich und gradlinig zu sein und dies auch von anderen erwarte. Das Amt des Bürgermeisters kann ich nur ausüben mit Gottes Hilfe und stehe unter seiner Vergebung.

 

Hans_WilfriedWilfried Hans, Prisdorf

Kaufmännischer Leiter der Großstadt-Mission Hamburg-Altona

 



 

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