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September 2009 | Christsein und politische Verantwortung
Christsein und politische Verantwortung
Gewaltenteilung? - Ja bitte!
Zur Demokratiemüdigkeit
Alltag eines ehrenamtlichen Bürgermeisters
Konfessionskunde - Die ev.-lutherische Kirche
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Christsein und politische Verantwortung

Liebe Leser!

 

Es ist (wieder!) eine bunte Autorenschar, die wir für diese Ausgabe gewinnen konnten:

  • Prälat Dr. Felmberg, der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU, schreibt den "Impuls". Er entfaltet in seinem Beitrag sowohl biblische als auch geschichtliche Bezüge und wendet sie auf die Gegenwart an.
  • Einen durchaus kritischen Blick auf den aktuellen Zustand unserer Demokratie wirft Holger Knieling, Gymnasiallehrer und langjähriger Vorsitzender der Gemeinschaft Kiel. Nach seiner Meinung muss dringend etwas passieren, damit unser politisches System neu belebt wird.
  • Mit Wilfried Hans aus Prisdorf bei Uetersen kommt ein politischer Praktiker zu Wort. Er beschreibt die Möglichkeiten, die er als Christ und ehrenamtlicher Bürgermeister hat, um seiner Gemeinde zu dienen. Lassen Sie uns unsere Verantwortungsträger im Gebet unterstützen!
  • Wolfgang Baake schreibt zu einem brisanten Thema: Demokratiemüdigkeit! Er ist der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes. In seinem Beitrag stellt er den weiten Gestaltungsraum der Politik dar - und plädiert für die aktive Einmischung und Mitgestaltung der Bürger.

 

Ich wünsche Ihnen viel Gewinn beim Durchblättern und beim Lesen dieser Ausgabe. Und wenn sie Ihnen gefallen hat, dann machen Sie gerne auch Freunde und Bekannte auf den einen oder anderen Artikel aufmerksam.

 

hohnecker_thomas3Herzliche Grüße,

Ihr

Thomas Hohnecker

 



Christsein und politische Verantwortung

 

von Prälat Dr. Felmberg

Bevollmächtigter des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU

 

Die frühe Kirche wurde vom Staat verfolgt. Eigentlich war das römische Reich ein religiös indifferenter Staatskörper. Römisches Denken und auch die heidnisch-römische Religion waren zutiefst pragmatische Angelegenheiten. Man hatte einen Kriegsgott, den man um militärischen Erfolg bat. Man hatte eine Göttin der Fruchtbarkeit, die für gute Ernten angerufen wurde. Wurden Bitten nicht erfüllt, beklagte man sich bei der zuständigen Gottheit. Erwies sich eine Gottheit über einen gewissen Zeitraum hinweg als machtlos, verabschiedete man sie gewissermaßen in den Ruhestand. So weit, so pragmatisch. Pragmatischen, näherhin staatstheoretischen Grundsätzen, entsprach auch der römische Kaiserkult, also die Pflicht eines jeden Bürgers, das Kaiserstandbild zu verehren. Dabei ging es um Folgendes: Um ein Reich von den Ausmaßen des Imperium Romanum mit seinen unzähligen Völkerschaften, Stämmen und Kulturen zusammenzuhalten, brauchte man eine Institution, der gegenüber alle Bürger des Reiches loyal waren. Diese Institution war der Kaiser. Die Loyalitätsbezeugung, die der römische Staat von seinen Bürgern verlangte, titelthema_08bestand darin, dem Kaiserbild mit der Geste eines Kniefalls seine Reverenz zu erweisen. Für sich betrachtet handelte es sich um eine geringe und einfache Geste. Man konnte sie mit gekreuzten Fingern hinter dem Rücken vollziehen. Was der römische Staat wollte, war der äußere Vollzug der Loyalitätsbezeugung. Wie man innerlich dem Kaiser gegenüber gesonnen war, interessierte ihn nicht. Doch die frühen Christen wollten das Bild des Kaisers nicht verehren. Sie wollten auch nicht so tun als ob. Sie waren nicht pragmatisch, sondern Jünger ihres Herrn Jesus Christus, dem sie ganz gehörten und dem allein sie sich verpflichtet sahen. Den Staat lehnten sie darum nicht grundsätzlich ab. Sie waren ihm gegenüber bis zu einem gewissen Grad loyal. Aber gegenüber staatlichen Organen Anbetungsgesten zu vollziehen lehnten sie kategorisch ab.

Dabei unterschieden die frühen Christen zwei Stufen der Loyalität. Die eine galt dem Staat, die andere galt Gott. Die Bibel berichtet von einem Streitgespräch, das Jesus mit Pharisäern und Leuten des Herodes führt, in dem diese doppelte Loyalität zur Sprache kommt. Mit einer römischen Münze in der Hand erklärt Jesus da: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!"(Mt 22,21) Seine Antwort pariert eine Fangfrage, die lautete, ob man dem Kaiser Steuern zahlen müsse oder nicht. Jesu Gegner hatten ihn der Illoyalität gegenüber Staat und Kaiser überführen wollen. Doch Jesus war kein Freund der Steuerhinterziehung. Er fand es richtig, Steuern an eine rechtmäßige Obrigkeit abzuführen. Steuermünzen gehören dem Kaiser, weil sein Bild sie ziert. Über die Steuermünze, also materielle Gaben, hinaus darf der Kaiser von den Jüngern Jesu aber nichts verlangen. Deren Herz und Seele gehören allein Gott. Prägt Gott doch jedem Herzen, das sich ihm zuwendet und ihm vertraut, sein Bild ein. Die jeweilige Prägung entscheidet darüber, wem das Herz und wem die Münze gehört. Als Steuern zahlende Bürger des Imperium Romanum brachten die frühen Christen dem Staat eine stabile, wenn auch begrenzte Loyalität entgegen. Überhaupt ordneten sie den Staat den vorläufigen Dingen zu. Sie schufen sich dadurch einen Freiraum zur Wahrnehmung politischer Verantwortung, den wir Christen heutzutage noch genauso haben.

 

Dabei ist es nicht gleichgültig, ob wir uns politisch engagieren oder nicht. Vielmehr legt uns die biblische Tradition die Übernahme politischer Verantwortung mit guten Gründen nahe. Ein diesbezüglich einschlägiger Bibeltext ist Röm 13. Hier wird der Staat als eine Setzung, d.h. Einrichtung Gottes beschrieben, die zunächst eine Sphäre eigenen Rechts darstellt. Aufgabe des Staates ist nach Paulus, dem Übel zu wehren und den inneren wie auch den äußeren Frieden zu wahren. Zur Durchsetzung dieser Ziele ist dem Staat auch der Einsatz von Gewaltmitteln erlaubt. Gleichwohl darf der Staat nicht tun und lassen, was er möchte. Er ist - wie Paulus schreibt - "Gottes Diener dir zugut"(Röm 13,4). Damit ist gesagt, dass der Staat dem Gemeinwohl und dem Wohlergehen seiner Bürger zu dienen hat. Er ist dabei an das Gesetz Gottes gebunden. In Staaten, die darauf Acht geben, dass ihre Gesetze dem Gesetz Gottes nicht zuwider laufen, ist für Christen die Übernahme von politischen Ämtern wünschenswert. Es ist sogar die Pflicht eines Christen, sich in solchen Staaten zu engagieren, mindestens durch die Teilnahme an der politischen Debatte.

In einem totalitären Staat hingegen ist politisches Engagement für Christen nicht möglich. Denn totalitäre Staaten missachten das Gesetz Gottes, das die Freiheit und den Frieden der Menschen im Sinn hat. Hier gilt ein weiterer biblischer Grundsatz, der sich in einer Verteidigungsrede des Apostels Petrus vor dem Hohen Rat in Jerusalem findet. Er lautet: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen" (Apg 5,29). Politische Verantwortung zeigt sich in der Situation eines totalitären Staates gerade darin, dass man das Mittun verweigert. Dass man mit aller Klugheit versucht, aufzustehen gegen die politischen Verhältnisse. Dass man versucht, im Sinne von Röm 13 dafür zu sorgen, dass die Verfassung des Staates wieder eine solche wird, die den Gesetzen Gottes nicht zuwider läuft.

 

titelthema_10Die Verfasstheit eines Staates entscheidet somit darüber, ob und wenn ja, wie Christen politische Verantwortung übernehmen können. In unserer parlamentarischen Demokratie ist die Übernahme eines politischen Amtes für Christen - wenn Neigung und Talent es möglich machen - geboten. Ausnahmslos alle Christen, die in einem Rechtsstaat wie unserem leben, sind dazu aufgerufen, die Demokratie nach Kräften zu unterstützen, erst Recht, wenn sie herausgefordert wird durch eine Wirtschafts- und Finanzkrise wie die gegenwärtige. Denn Demokratie bedarf der Pflege und gegebenenfalls der Verteidigung. Sie muss von Menschen bejaht, getragen und aktiv mitgestaltet werden. Der geringste Dienst, den wir der Demokratie in Deutschland leisten können - das kann in einem Superwahljahr wie dem laufenden nicht oft genug wiederholt werden - besteht darin, zur Abstimmung zu gehen. Uns Christen kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Verantwortung zu. Wissen wir doch, dass ein Gemeinwesen, das sich den Menschenrechten und damit dem säkularisierten Gesetz Gottes verpflichtet fühlt, eine Setzung Gottes ist "dir zugut"(Röm 13,4). Gemeinsam mit Anderen tragen Christen in unserem Staat die Verantwortung für den "Gesundheitszustand" unserer Demokratie, wie ich in Anlehnung an das "Gemeinsame Wort" der Evangelischen und der Katholischen Kirche mit dem Titel "Demokratie braucht Tugenden" formulieren möchte. Denjenigen von uns, die sich als Kandidaten zur Wahl stellen, sei die Pflege von drei politischen Tugenden ans Herz gelegt. Einmal die Fairness in der politischen Auseinandersetzung, zum anderen die Standfestigkeit im Festhalten an Maßnahmen, die nötig und nachhaltig sind. Und drittens der Mut, für eine verantwortungsbewusste, am Gemeinwohl orientierte Politik einzustehen.

 

Meine knappen Ausführungen sollen deutlich machen, dass politische Verantwortung im einen Fall im aktiven Engagement, im anderen Fall in der Verweigerung des Engagements besteht, bzw. im Bemühen darum, die Verhältnisse im Staat zu ändern. Davon abgesehen gilt grundsätzlich: Für jede Obrigkeit hat die christliche Gemeinde entsprechend dem Bibeltext 1Tim 2,2 Fürbitte zu halten. Ganz egal, ob es sich um eine Obrigkeit handelt, die der Kirche und den Menschen gegenüber freundlich gesonnen ist oder nicht. Christliche Gebete sind insofern auch eine Form politischer Verantwortung: Zielt die Fürbitte doch darauf ab, dass Gott den Sinn der Tyrannen ändern möge. Dass er aus einem Feind einen Freund Jesu und damit einen Freund der Menschen mache. Insofern können Christen, die für den Sinneswandel von Tyrannen beten, dem Gemeinwesen einen wertvollen Dienst erweisen.

 

 



Gewaltenteilung? - Ja bitte!

 

Wussten Sie schon, dass die im September stattfindenden Bundestagswahlen rechtswidrig ausgeführt werden? - Laut Urteil des Bundesverfassungsgerichtes verstößt nämlich das derzeitige Verfahren, das das Wahlergebnis in eine Sitzverteilung im Bundestag umwandelt, gegen das Prinzip der Gleichwertigkeit von Wählerstimmen. Nach der Verteilung der allermeisten Plätze im Hohen Hause werden nämlich die übrig gebliebenen Zweitstimmen zwischen den 16 Landeslisten der Parteien in einem komplizierten Verfahren verrechnet und verschoben, um die letzten 3 bis 4 Bundestagsmandate zu verteilen. Diese „Reststimmen" sind dadurch deutlich mehr wert als die anderen, und mit schöner Regelmäßigkeit kommen sie aus den kleinen Bundesländern, denn sie haben weniger Mandate zu verteilen, dadurch können ihre Wahlergebnisse nur schlecht repräsentiert werden, also bleiben bei ihnen mehr Stimmen übrig. Rechnet man das wieder auf das einzelne Wählervotum zurück, kann eine aus dem kleinen Saarland kommende Zweitstimme mehr wert sein als eine aus dem großen Bayern, und das ist schlichtweg verfassungswidrig.

 

titelthema_07Dieser Umstand ist seit mehr als drei Jahren bekannt, aber der Bundestag unternahm so gut wie nichts. Denn das Bundesverfassungsgericht hat bei einer Neuregelung auch die Streichung der Überhangmandate eingefordert, bei denen es um zusätzliche, außerplanmäßige Plätze im Bundestag geht, die ebenfalls ergebnisverzerrend wirken können. Davon gab es in den vergangenen Jahren reichlich, und welcher Abgeordnete schafft schon gern seinen eigenen Arbeitsplatz ab?*

 

Sollte es aber bei der Wahl im September Spitz auf Knopf kommen, wird möglicherweise wegen dieser legislativen Saumseligkeit die Judikative, also Karlsruhe, das Wahlergebnis interpretieren müssen. Eigentlich ein unsäglicher Zustand, aber ein Paradebeispiel zur Gewaltenteilung: Das Versagen einer der drei Instanzen Legislative (Gesetzgebung), Exekutive (Vollziehung) und Judikative (Rechtsprechung) ruft sofort mindestens eine der anderen als Korrektiv auf den Plan, so wie es sich Locke (1690) und Montesquieu (1748) in ihrem System von „checks and balances" gedacht haben.

 

Gefahr droht der Gewaltenteilung, die bei uns übrigens laut Verfassung unabschaffbar ist, viel mehr durch die von den Parteien emsig vorangetriebene Verquickung von Legislative und Exekutive. Das Parlament degradiert sich durch den (angeblich nicht vorhandenen) Fraktionszwang zum Mehrheitsbeschaffer der Regierung, nur noch die nicht an der Regierung beteiligten Volksvertreter tun dann aus der Opposition heraus das, wozu eigentlich alle MdB verpflichtet sind, nämlich die Exekutive zu kontrollieren. Die bedeutendsten Gesetze der vergangenen Jahre sind in Kabinett und Koalitionsausschuss ersonnen und anschließend durch den Bundestag praktisch durchgepeitscht worden. Das kürzlich verabschiedete sogenannte Bankenrettungspaket stellt den (vorläufigen?) Höhepunkt dieser Entwicklung dar. Es entzieht dem Parlament das wichtigste Instrument, nämlich die Kontrolle über den Staatshaushalt: Hunderte von Milliarden an Steuergeldern können ab sofort ohne Mitsprache des Bundestags ausgegeben werden. Dabei sollte gerade er die Interessen der Bevölkerung vertreten, die ja die Zeche zu zahlen hat. Kann man intensiver an seiner Selbstentmündigung arbeiten, und soll man neuerdings die Diäten als Schmerzensgeld für den Bedeutungsverlust verstehen?

 

titelthema_06Hier muss eine viel schärfere Trennung von Legislative und Exekutive erfolgen, wie sie in anderen Ländern seit langem üblich ist. So musste Hillary Clinton nach ihrer Ernennung zum Secretary of State (US-Außenministerin) ihren Senatsposten räumen, denn ein Mitglied der Regierung darf in den USA nicht in der Gesetzgebung tätig sein oder ein Amt in der Justiz ausüben. Für Deutschland ist diese Regelung nicht nur bundespolitisch unbedingt übernehmenswert. Vielleicht bekommen wir dann endlich mehr als nur doppelt kassierende Teilzeitminister und -abgeordnete.

 

Kurze Zeit nach seiner jahrzehntelangen Politikertätigkeit beklagte der geradlinige, gewiss weder habgierige noch machtversessene Ex-Finanzminister Hans Apel, dass der Staat immer mehr zur Beute der Parteien würde. Es ist schade, dass er in seiner aktiven Zeit und auch danach nur wenig dazu tat, diesem Missstand abzuhelfen. Neben dem ungenierten Griff in die Staatskassen durch Wahlkampfentschädigungen und parteinahe Stiftungen werden noch ganz andere Institutionen zu Opfern. Jede Intendantenbesetzung eines öffentlich-rechtlichen Senders ist mittlerweile ein Stück aus dem politischen Intrigantenstadel, zur Zeit aktuell beim ZDF zu bestaunen. Die Vorstände und Aufsichtsräte der jüngst an die Wand gefahrenen Landesbanken sowie KfW und IKB waren streng nach Parteiproporz mit Politikern gespickt, die weniger hinsichtlich ihres Sachverstandes ausgewählt wurden als vielmehr der Pfründenwirtschaft zu dienen hatten, denn speziell bei den Aufsichtsräten fließt ein Großteil des Geldes zurück in die Parteikassen. - Die lukrativen Vorstandsposten dienen übrigens eher der Wiederaufarbeitung oder Entsorgung abgebrannter oder verdienter Parteifreunde.

 

Die Parteivergabe solcher Posten kann zusammen mit der Verheißung eines Rundum-Sorglos-Pakets als Abgeordneter aus jedem Listenkandidaten einen gefügigen Parteisoldaten machen, der dann statt für sein Volk für seine Partei(karriere) arbeitet. Diese possierlichen Schachereien wiederholen sich übrigens landauf landab, sei es beim Abwasserzweckverband Vordertupfingen oder bei der Verkehrs- und Aktiengesellschaft Hintertupfingen. Das Recht, solche Sahnestücke verteilen zu dürfen, oft genug ohne Ansehen der Qualifikation, muss den Hinterzimmern der Parteien entrissen und den zuständigen Gremien zurückgegeben werden. Den Einwand, dass es doch ein und dieselben Personen seien, kann man nicht gelten lassen, denn das eine Mal sind sie fernab der Öffentlichkeit als Parteimitglieder tätig, das andere Mal als den Wählern verantwortliche Abgeordnete. Mir stellt sich oft die Frage, warum wir dies mit uns machen lassen, aber auf kommunaler und langsam auch auf Landesebene findet ein allmähliches Umdenken statt.

 

titelthema_05Der Würgegriff der Parteien kann außerdem durch die Stärkung des einzelnen Abgeordneten gelockert werden, indem die Zahl der Politiker, die über die Landeslisten einziehen, massiv reduziert wird, und - falls es noch Landeslisten geben sollte - die Wähler auf die Anordnung in diesen Listen Einfluss nehmen können. Der Abgeordnete weiß dann viel besser, wem er für den Einzug ins Parlament Dank schuldet. Die aberwitzigen, auf Hamsterung angelegten Versorgungsansprüche samt Quasi-Verbeamtung, was den Abgeordneten noch mehr in die Abhängigkeit von der Partei treibt, sollte durch eine angemessene, attraktive Bezahlung (50 Prozent mehr sind da bestimmt nicht zuviel) während der Mandatszeit ersetzt werden, mit der Verpflichtung zur Einbindung in die staatlichen Sozialsysteme und einer Abfindungszahlung nach Mandatsende, wie sie sonst im Berufsleben üblich ist. Wie sind außerdem über 600 MdB mit ihrer nicht gerade kleinen Ausstattung in Sachen Sekretariat und Büro zu rechtfertigen, wenn die dreimal so große USA mit weniger als 450 Abgeordneten auskommen?

 

Wie schon der wiedergewählte Bundespräsident Köhler sinngemäß sagte, ist Demokratie nie fertig, sondern etwas, woran stets zu arbeiten ist. Auch hier ist das Bessere der Feind des Guten, und die Parteien würden einen erheblichen Imagegewinn aus einer klareren Aufgabenteilung ziehen.

 

* Unmittelbar nach Fertigstellung dieses Artikels wurde übrigens bekannt, dass die Oppositionsparteien doch noch eine Neuregelung des Wahlrechts anstreben wollen. Grund: Sie würden durch das derzeitige Recht benachteiligt werden.

 

KnielingHolger Knieling, Kiel



Zur Demokratiemüdigkeit

 

Beides gehört zusammen: Verantwortlich politisch handeln - und Politik mitgestalten

 

 

 

Es waren deutliche Worte, die Bundespräsident Horst Köhler in einem Interview noch vor seiner Wiederwahl im Mai dieses Jahres fand: Auch angesichts der Wirtschaftskrise warnte er vor einer schleichenden Demokratiemüdigkeit der Bürger. Zu häufig werden Ansprüche an Politiker gestellt, die nicht zu erfüllen sind. Gerade in diesen Zeiten der wirtschaftlichen Krise macht sich bemerkbar: Wir verlangen einen anhaltenden Zuwachs an materieller Sicherstellung - und unsere Politiker sollen dafür Sorge tragen.

 

titelthema_05Dieser Anspruch ist freilich berechtigt. Jedoch distanzieren sich zu viele Bürger gerade in Krisenzeiten von etablierten, demokratischen Parteien, weil sie ihnen die Lösung der Krise weniger zutrauen. Andere Kleinparteien etwa, insbesondere rechtsgerichtete Gruppierungen und sogar linksradikale Strömungen, die sogar in den Parlamenten sitzen, nutzen Krisenzeiten immer wieder für ihre Parolen, schüren mit Angstbotschaften oder fern der Realität stehenden "Lösungsvorschlägen" Ängste - mit dem einzigen Ziel, Wählerstimmen zu erlangen. Dabei scheuen sie sich nicht einmal, zum Generalstreik oder sogar zum Widerstand aufzurufen. Schaut man sich dann ihre Programme oder Forderungen an stellt man fest, dass das, was sie fordern, reiner Populismus ist, der mit der Realität nun überhaupt nichts zu tun hat.

 

Dass Bundespräsident Köhler auf diese Umstände aufmerksam gemacht hat, ist richtig und wichtig. Darüber hinaus hat er jedoch auch eine Hinwendung zu immateriellen Werten angemahnt, die Grundlage jeglicher Gemeinschaft und Demokratie sind. Wer den Blick auf Werte gewinnt, die Basis auch von politischem Handeln sind, wer sich für die Demokratie als Herkunft aus unserem jüdisch-christlichen Abendland einsetzt, der kann und sollte nicht von einer wie auch immer gearteten Demokratiemüdigkeit befallen werden.

 

Dennoch, eine Demokratiemüdigkeit ist immer auch eng mit einer Politikverdrossenheit verbunden, die sich gelegentlich auch in christlichen Kreisen zeigt. Umso wichtiger ist es daran zu erinnern, was Politik definiert, auch aus christlicher Sicht:

 

1. Politik ist ein Bereich, in dem sich auch Christen engagieren müssen. Der Reformator Martin Luther unterscheidet zwischen dem Regiment Gottes zur Rechten und zur Linken. In dem zur Rechten herrscht Christus durch Wort und Sakrament, in der zur Linken ist Gewaltausübung zur Aufrechterhaltung der Ordnung nötig. Nach Luther gilt auch dieses Regiment als "gute Ordnung Gottes". Christen können und sollten in weltlichen Ämtern tätig sein, Recht sprechen, strafen, politische Ämter einnehmen. Beide Regimente soll man jedoch "nicht miteinander vermengen". Luther warnt dementsprechend die geistliche Gewalt davor, sich in die Aufgaben der weltlichen Gewalt einzumischen. Und, so formuliert es der Apostel Paulus: Es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt, jede ist von Gott eingesetzt (Römer 13).

 

2. Politik ist kein schmutziges Geschäft, es wird oft nur als solches von den Mediennutzern wahrgenommen. Niemand kann sich einer politischen und gesellschaftspolitischen Verantwortung entziehen, um auf diese Weise die eigenen Hände sauber zu halten. Dieses Prinzip steht vielfach ebenfalls hinter dem Begriff der Demokratiemüdigkeit. Wer zudem meint, dass Politiker falsche Entscheidungen treffen oder falsche politische Ziele verfolgen, der darf sich aufgrund dieses persönlichen Befundes eben nicht zurückziehen, sondern muss die Initiative ergreifen. Politik braucht Christen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, Verantwortung zu tragen und politische Konzepte umzusetzen. Auch Christen wissen, dass in der Politik wie auch in jedem anderen Berufsfeld Menschen tätig sind, die fehlbar sind. Da jedoch gerade Politiker wie kaum eine andere Berufsgruppe im Fokus der Medien stehen, werden vermeintlich "schmutzige" Bestandteile politischer Entscheidungen schneller an die Öffentlichkeit gespült.

 

titelthema_023. Dass in den Medien über die negativen Aspekte des Politikalltags berichtet wird, gehört uneingeschränkt zu unserem demokratischen Prinzip der Pressefreiheit. Als Mediennutzer aber muss uns deutlich sein, dass die Berichte in Nachrichten und Reportage-Sendungen immer nur einen Teil der Realität darstellen. Medien greifen in den meisten Fällen die Skandale, die Fehlentscheidungen, die Kontroversen auf. Positive und reibungslose Abläufe schaffen es nur äußerst selten in die Nachrichten. Aber diese gehören ebenso zum politischen Alltag - werden nur von der Bevölkerung nicht oder kaum wahrgenommen. Aus dem Bild, das uns Fernsehen und Co. von Politik vermitteln, darf auf keine drastische Demokratie- oder Politikmüdigkeit geschlossen werden. Medienbilder sind keine sachliche Grundlage für eine umfassende Einschätzung politischer und demokratischer Entscheidungen.

 

4. Darüber hinaus gilt: Bürger dürfen die Grundlagen einer demokratischen Politik nicht aus dem Blick verlieren. Es ist daher richtig, dass führende Politiker auf einer Tagung des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU (EAK) im Juni dieses Jahres in Erfurt daran erinnert haben, dass etwa die Stärkung von Familien ein wichtiger Bestandteil zukünftiger Politik ist. "Das Zentrum der Gesellschaft ist und bleibt die Familie", formulierte es Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus. Gerade im 60. Jahr des Grundgesetzes müsse man darauf hinweisen, dass "Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stehen". Die Familie bleibe modern, "weil sie die einzige Institution ist, in der Liebe, Orientierung und Werte geprägt werden". Der Bundesvorsitzende des EAK und CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel forderte eine Rückbesinnung auf Grundwerte, auch in der Wirtschaft. "Zügelloser Kapitalismus ist genauso schädlich wie real existierender Kommunismus", sagte der Politiker. Dabei seien die Eigenverantwortung und der soziale Ausgleich die wesentlichsten Grundlagen für die freie Wirtschaft. Diese Grundlagen einer demokratischen, christlichen Politik müssen heute mehr denn je auch an die jüngere Generation weitergegeben werden.

 

5. Statt sich in einer Demokratiemüdigkeit zu verlieren, müssen Bürger konstruktiv-kritische Begleiter aller Regierungen und Parteien bleiben, unabhängig davon, welchem politischen Spektrum sie angehören. Für Christen gilt dabei auch, dass es immer wieder Situationen geben wird, in denen Überzeugungen von Regierungen im Kontrast zu Überzeugungen der christlichen Ethik stehen. Doch genau aus diesem Grund ist es so wichtig, eigene Positionen ins Gespräch zu bringen - und sich nicht in Gleichgültigkeit zu verlieren.

 

Martin Luther sagte auf die Frage nach christlicher Verantwortung: "Der Christ hat nicht nur die Freiheit der Politik und anderer Verantwortung, er hat auch die Pflicht, sich öffentlicher Verantwortung, wo sie ihm auferlegt ist, nicht zu entziehen." Diese Aussage hat auch nach 500 Jahren an ihrer Gültigkeit und Wahrheit nichts verloren.

 

Baake_WolfgangWolfgang Baake
Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP in Wetzlar und Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz am Sitz der Bundesregierung und des Bundestages in Berlin.

 

 


Alltag eines ehrenamtlichen Bürgermeisters

 

Nach reiflicher Überlegung habe ich im Jahr 2002 das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters in der Gemeinde Prisdorf mit ca. 2.200 Einwohnerinnen und Einwohner angenommen und übe im Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus bis heute dieses Amt aus. Vorher hatte ich für mich die Frage zu klären: Als Christ Politik machen? Geht das oder ist Politik doch nur schmutzig oder wird in der Politik doch nur gelogen? Ich habe während meiner bisherigen Amtszeit versucht, diesem Klischee entgegen zu wirken. Wichtig ist mir geworden, dass ich als Christ auch politische Verantwortung übernehmen kann; mich einmische in politische und gesellschaftliche Fragen. Es ermöglicht große Chancen für uns Christen mit Menschen in Kontakt zu gelangen, die wir in der Regel nicht in unseren Kirchengemeinden und Gemeinschaften erreichen. Im Buch Jeremia 19,7 sind wir nicht nur dazu aufgefordert für unsere Stadt und für unsere Gemeinde zu beten, sondern auch ihr Bestes zu suchen. Als Christ stehe ich dabei unter besonderer Beobachtung, ob mein Reden und Handeln übereinstimmen. Wie gehe ich mit den unterschiedlichen Vorstellungen, Meinungen, Ideen von Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertretern, Bürgerinnen und Bürgern um?

 

titelthema_09Auf jeden Fall ist es ein wesentlicher Punkt für mich, unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren und mit den einzelnen Personen wertschätzend und respektvoll umzugehen. Auch wenn nicht alles Umsetzung finden kann. Gleichzeitig stehe ich in der besonderen Verantwortung, die Bundes- und Landesgesetze und ergänzende Verordnungen zu beachten und einzuhalten. Mein Ziel ist es dabei, in einem kleinen überschaubaren Rahmen Gutes für die Menschen in unserer Gemeinde zu bewirken und dabei Gottes Auftrag (Zeuge Jesu Christi zu sein) nicht zu vergessen.

 

Bei der Übernahme der Bürgermeistertätigkeit habe ich einen großen Schuldenberg (über eine Million Euro) vorgefunden. Die Handlungsfähigkeit der Gemeinde war extrem eingeschränkt. Wie löst die Gemeinde sich aus der Schuldenfalle? Wie können die notwendigen Investitionen für den Kindergarten, Schule, Freiwillige Feuerwehr und verschiedene Sportvereine finanziert werden?

Mit einem Beispiel führe ich eine Vorgehensweise auf: In den Jahren vor meiner Tätigkeit als Bürgermeister war es in vielen Gemeinden üblich, mit der Erschließung von Baugebieten die Zuweisung für die Einkommensteuer zu erhöhen und beim Verkauf der Grundstücke an einzelne Grundstückseigentümer hohe Erlöse erzielen zu lassen. Dies war für mich kein Modell für die Zukunft. Zukunftsfähig ist der Ankauf von Bauerwartungsland durch die Gemeinde zu einem angemessenen Preis. Danach erfolgt die Erstellung eines Bebauungsplanes, die Erschließung des Baugebietes und der Verkauf der einzelnen Grundstücke zu marktgerechten Preisen. Mit dem Reinerlös aus den Grundstücksverkäufen können die vorzuhaltende Infrastruktur (Kindergarten, Schule, Feuerwehr) finanziert werden und kommen so allen Bürgerinnen und Bürgern zu gute und nicht einzelne Personen.

Mit etlichen Gewerbebetrieben in unserer Gemeinde bin ich immer wieder im Gespräch und höre von ihnen, wo der "Schuh drückt". Dann versuche ich, mit ihnen gemeinsam Lösungen zu finden auch mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu erhalten oder neue zu schaffen. Leider kommt es vor (zum Glück nur sehr selten) dass bestimmte Gewerbebetriebe (z.B. Spielhallen) sich ansiedeln wollen und es rechtlich nicht zu verhindern ist.

 

Den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern versuche ich auch in der von mir angebotenen wöchentlichen Sprechstunde zu halten. Da stehe ich als Ansprechpartner, Helfer und manchmal auch schon fast als Seelsorger zur Verfügung. Einige Menschen kommen zu mir, weil sie in ihrem persönlichen Leben mit viel Leid, Krankheit u.ä. konfrontiert sind. In diesen Situationen ist das Zuhören bereits eine Hilfe. Wenn ich dann Trost spenden, ein Wort der Ermutigung sagen und evtl. Wege zur Lösung des Problems aufzeigen kann, freue ich mich besonders darüber. Bei repräsentativen Terminen (z.B. Jubiläen) verbinde ich meine allgemeinen Glückwünsche mit dem Zuspruch des Segens Gottes für die Jubilare.

Sehr dankbar bin ich für die vielfältige und beratende Unterstützung durch meine Frau. Ohne sie wäre manches nicht möglich.

 

Von großer Bedeutung für mich ist es, den vielen Gesprächspartnern zu signalisieren, dass ich bemüht bin, in allen Dingen ehrlich und gradlinig zu sein und dies auch von anderen erwarte. Das Amt des Bürgermeisters kann ich nur ausüben mit Gottes Hilfe und stehe unter seiner Vergebung.

 

Hans_WilfriedWilfried Hans, Prisdorf

Kaufmännischer Leiter der Großstadt-Mission Hamburg-Altona

 


Die ev.-lutherische Kirche

Professor Dr. Erich Geldbach,

Evang.-Theologische Fakultät der Ruhr-Universität Bochum

 

Nichts lag Martin Luther (1483-1546) ferner als eine Kirche nach seinem Namen ins Leben zu rufen. Ursprünglich war "lutherisch" von katholischen Gegnern Luthers gebraucht worden, doch setzte sich die Bezeichnung durch, weil man damit den Gegensatz zur katholischen Kirche sowie zu anderen reformatorischen Gruppen einleuchtend kennzeichnen konnte. Die offen zu Tage getretenen Missstände der mittelalterlichen Kirche bilden den Hintergrund für Luthers Wirken. Das Renaissance-Papsttum war verweltlicht ("Lasst uns das Papsttum genießen"), Klerus und Klöster hatten an geistlicher und moralischer Substanz eingebüßt und das Kirchenvolk bewegte sich daher zwischen einem Anti-Klerikalismus, Oberflächlichkeit oder einem glühenden religiösen Eifer. Dahinter verbirgt sich das Gottesbild eines gerechten Richters, vor dessen fordernder Gerechtigkeit sich der sündige Mensch angesichts der zu erwartenden langjährigen Strafen im Fegefeuer oder gar ewiger Höllenstrafen fürchten muss. Damit verbunden war eine weit verbreitete Angst vor dem baldigen Weltende, der die Menschen durch gute Werke, Wallfahrten, Weihegeschenke, einem Reliquienkult und vor allem einem blühenden Ablasswesen entgegen zu wirken suchten.

 

ev1Angesichts dieser Sachlage wirkte Luthers Botschaft von der "Rechtfertigung" des Sünders allein aus Gnade und um Christi willen auf viele befreiend. Luthers Einsicht war es, dass Gottes Gerechtigkeit keine fordernde, sondern eine dem sündigen Menschen zugesprochene Gerechtigkeit ist. Auch dahinter verbirgt sich die Gottesvorstellung eines Richters, der den Zustand der Gerechtigkeit herstellen will. Aber die Rechtfertigung, d.h. die Herstellung des Rechtsfriedens, geschieht bildlich gesprochen so, dass der Sünder, der wegen seiner Verfehlungen auf dem Weg zur Hinrichtung ist, durch die unerwartet ergehende gute Nachricht um Christi willen von Gott frei gesprochen wird. Die Lehre von der Rechtfertigung ist daher der "Artikel mit dem die Kirche steht und fällt". Die Kirche ihrerseits wird durch das Wort und die Sakramente Taufe und Abendmahl konstituiert, wobei an der Kindertaufe und an der realen Gegenwart von Leib und Blut Christi unter Brot und Wein festgehalten wird. Die Austeilung erfolgt unter beiderlei Gestalt. Die Kirche als sichtbare Kirche ist ein "corpus permixtum" aus Glaubenden und Heuchlern; auch die Gläubigen sind "zugleich gerecht und sündig", weil der Mensch Sünder ist und stets auf die erneuernde Kraft des Wortes Gottes angewiesen bleibt.

 

Als Glied am Leib Christi hat jeder Christ die Berufung, den Glauben in der Welt zu leben und zu bezeugen. Insofern spricht Luther vom "Priestertum aller Glaubenden". Der Dienst an Wort und Sakrament ist zwar der gesamten Kirche aufgetragen, doch gibt es für den Dienst der öffentlichen Verkündigung und Sakramentsverwaltung ordnungsgemäß berufene Amtsträger, die durch ein Studium der Theologie eine besondere Ausbildung durchlaufen haben und durch Ordination eingesetzt werden. Es kommt wesentlich darauf an, zwischen dem Gesetz als der eigentlichen, aber vom Menschen nicht zu leistenden Forderung Gottes und dem Evangelium als dem Zuspruch der Gerechtigkeit im Glauben zu unterscheiden. Der Glaube ist "immer im Tun", nicht aber um vor Gott zu bestehen, sondern als dankbare Antwort auf die gnädige Zusicherung der Gerechtigkeit durch Gott.

 

ev2Gegenüber dem Festhalten an der Tradition betont Luther die Bibel als höchste Autorität. Sie muss aber recht ausgelegt werden, was kritische Bemerkungen zu einzelnen Büchern einschließt. So z.B. ist für Luther der Jakobusbrief eine "stroherne Epistel", weil nach seiner Ansicht dieser Brief "Christum nicht treibet". Das bedeutet, dass die Schrift von ihrem Zentrum, das Christus ist, ausgelegt werden muss. Christus muss bekannt gemacht (unter die Leute "getrieben") werden; erfolgt das nicht, entpuppt sich ein Brief als "Stroh", aus dem die lebensspendenden Körner ausgedroschen sind. Das heilsschaffende Christusgeschehen wiederum ist einzig auf Gottes Gnade zurückzuführen, dem der Mensch allein im Glauben entsprechen kann. Damit ergeben sich die vier "allein"-Aussagen: Zu dem Grundsatz "allein die Schrift" tritt "allein Christus" als Auslegungsmaßstab an die Seite. Alles geschieht von Gott "allein aus Gnade" und vom Menschen "allein aus Glauben" in dankbarer Antwort.

 

Luther unterscheidet ein Reich zur Rechten und ein Reich zur Linken ("Zwei-Reiche-Lehre"). Im geistlichen Regiment regiert Gott durch Liebe zum Heil der Menschen. Durch das weltliche Regiment erhält Gott den Frieden und das Recht. Im Bauernkrieg sprach Luther der Obrigkeit das Recht zu, mit Gewalt für Ordnung zu sorgen. Das führte im Luthertum oft zu einer Obrigkeitshörigkeit.

 

Im Augsburger Religionsfrieden (1555) wird die lutherische Kirche reichsrechtlich anerkannt, nachdem zuvor die Versuche, in Religionsgesprächen mit den "Altgläubigen" eine Einigung zu erzielen, gescheitert waren. Die 1530 zur Vorlage auf dem Reichstag von Augsburg von Melanchthon verfasste Bekenntnisschrift "Confessio Augustana" ist dem Versuch der Einigung verpflichtet, bringt aber die neuen Einsichten der Reformation zur Sprache. Zum Teil aus innerer Überzeugung, zum Teil aus politisch-taktischem Kalkül schlossen sich verschiedene Landesherren und Reichsstädte der neuen Lehre an, so dass Landeskirchen entstanden, für die der jeweilige Landesherr die Verantwortung übernahm ("wessen das Territorium, dessen die Religion") und als oberster Bischof ("summus episcopus") "seiner" Kirche ev3jpggalt. Mit dem Konkordienbuch von 1580 ist die Bekenntnisbildung abgeschlossen. Das Luthertum ist eine typische "Konfessionskirche". Das Bekenntnis hat die Funktion, zum Verstehen der Heiligen Schrift anzuleiten, die kirchliche Gemeinschaft zu wahren und dazu zu dienen, rechter von falscher Lehre zu unterscheiden.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand in Eisenach 1948 aus den Landeskirchen die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD), die sich als eine Kirche versteht. Die lutherischen Kirchen von Oldenburg und Württemberg gehören nicht zur VELKD. Im Zuge der preußischen Union 1817, einer Union von lutherischen und reformierten Kirchen, lösten sich bekenntnisgebundene Lutheraner, um lutherische Freikirchen zu bilden. Sie sind heute in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche zusammengeschlossen. Diese gehört nicht zum Lutherischen Weltbund (LWB), in dem sich das Weltluthertum eine Plattform geschaffen hat.

 

 


Der seit 30 Jahren bestehende Gnadauer Pädagogische Arbeitskreis hat sich Anfang des Jahres umbenannt. Der neue Name lautet nun Gnadauer Arbeitskreis für Erziehung und Bildung. Die Umbenennung ersetzt den eher statischen Begriff »Pädagogik« durch die Beschreibung der realen Wirkungsfelder, denen sich der Arbeitskreis von Anfang an verpflichtet wusste. Gegründet wurde das Gremium 1978 vom damaligen Präses Kurt Heimbucher. Seine Zielgruppen sind Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, Eltern und Mitarbeiter in den Gemeinschaften. Die Mitglieder des Arbeitskreises kommen aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin-Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Rheinland-Pfalz. Vorsitzender ist der Leitende Schulamtsdirektor i.R. Erich Kimm, Schauenburg. Er ist auch Mitglied der EKD-Kammer »Bildung und Erziehung, Jugend und Kinder« in Hannover. An die Öffentlichkeit tritt der Arbeitskreis auch durch die zusammen mit der Evangelischen Lehrer- und Erziehergemeinschaft in Württemberg herausgegebenen Zeitschrift für christliche Erziehung »Glaube + Erziehung«. Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt ist in diesem Jahr das Thema »Familie«. Der Arbeitskreis will dazu eine Arbeitshilfe für die Gemeinschaften herausgeben.

 


 

In diesem Jahr ist daran zu erinnern, dass 1909 die Pilgermission St. Chrischona, Bettingen/Schweiz, erstmalig ein Ausbildungsangebot für Frauen machte. Der wesentliche Anstoß dazu kam von dem damaligen Direktoren-Ehepaar Carl-Heinrich und Dora Rappard. Das war der Beginn der späteren Bibelschule für Frauen, die 1994 im Theologischen Seminar St. Chrischona aufging. Am Sonntag, 1. November 2009, wird aus diesem Anlass in St. Chrischona eine Jubiläumsfeier stattfinden.

 



Der evangelische Fachverband für Suchtkrankenhilfe »Blaues Kreuz in Deutschland«, Wuppertal, sieht sich durch eine neue Studie in seiner Forderung bestätigt, Alkoholwerbung zu verbieten. Die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) hatte die Untersuchung in Auftrag gegeben. Dazu wurden 3.415 Jungen und Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren befragt. Das Ergebnis: Mehr als 80 Prozent der Befragten, die keine Alkoholwerbung sahen, griffen weder zur Bier- noch zur Schnapsflasche. Dagegen hatten über 90 Prozent der Jugendlichen, die mehr als zehn Mal Werbespots verfolgten, bereits Alkohol getrunken. Die Studie belege damit Erkenntnisse, die ausländische Forscher bereits vor Jahren gewonnen hätten, sagte der Bundessekretär des Blauen Kreuzes, Reinhard Lahme. »Aufgrund der biologischen Veränderungen in der Pubertät sind Jugendliche besonders empfänglich für Alkoholwerbung.« Ihre Wahrnehmung und ihre an den Alkoholgenuss geknüpften Erwartungen würden dadurch manipuliert. Das »Blaue Kreuz in Deutschland« ist eine der Mitgliedsorganisationen des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes.

 


LaJu09-1Auf in den Kampf!

Unter diesem Motto stand der diesjährige Landesjungschartag in Barmstedt. 22 Jungscharen strömten zwischen 9.30 und 10.00 Uhr auf das Schulgelände, das zum Schauplatz des Kampfes wurde. Zunächst wurden alle Jungscharler und ihre Mitarbeiter in die biblische Kamp-Geschichte um Elia hineingenommen. Eindrücklich spielten Barmstedter Mitarbeiter Elia, den König Ahab und die Baalspriester, die auf dem Berg Karmel jeweils ihren Gott um Feuer vom Himmel baten. Als tatsächlich ein Feuerwerk zu sehen war, als Elia zu Gott betete, staunten alle nicht schlecht. Matthias Meier, Jugendprediger aus Barmstedt, zeigte den Jungscharlern auf, dass es sich lohnt, Gott allein als Gott anzuerkennen, mit ihm zu reden und dann auch auf ihn zu hören.

Danach ging es auf den Sportplatz. Dort fanden nun viele Spiele statt, mit denen jede Jungschar um den heiß begehrten Wimpel kämpfte. Auf die Frage, welches Spiel fandet ihr am besten, kam blitzschnell die Antwort: „Das Wasserbombenkatapult und ein echtes Auto ziehen." Die Barmstedter hatten sich tolle und abwechslungsreiche Spiele ausgedacht, bei denen unterschiedliches Können gefragt war und jüngere sowie ältere Jungscharler voll auf ihre Kosten kamen.

Nach einer wohlverdienten Mittagspause ging es dann auf eine Stadtralley, zum Tischfußball- oder Volleyballturnier. Bei den Turnieren wurde noch einmal heiß gekämpft, bei der Stadtrallye ging es dagegen entspannter zu.

LaJu09-2Um 15.40 Uhr standen die Sieger des diesjährigen Jungschartages fest. Der Wimpel ging wieder (zur Freude der einen, zur Trauer der anderen J) nach Barmstedt, den 2. Platz machte HH-Harburg und voller Stolz nahmen die Süderbraruper den 3. Platz ein.

Vielen Dank an unseren Gott, der allein Gott ist! Vielen Dank an die Barmstedter für euren Einsatz und eure phantasie- und liebevolle Vorbereitung!

Annette Garbers, EC - Kinderreferentin

 


Das ist also der AK-Teen ...

 

Der Arbeitskreis Teenager im EC-Nordbund - so der volle Name - besteht aus fantastischen Mitarbeitern, die etwas ganz Ver-rücktes leidenschaftlich lieb haben: Teens!

Und da gehört schon etwas dazu: Teens sind nämlich die unglaublichen Menschen,

  • die Nachts irgendwie keinen Schlaf brauchen
  • die das für gute Musik halten, wenn die überdimensionierten, "wummenden" Basslautsprecher die Haare aus dem Gesicht wehen
  • die bei dem, was sie anziehen nach dem Motto "Hauptsache durchlöchert", "schrill" und "passt nicht" verfahren
  • und die wie selbstverständlich in einer anderen Welt leben können, in der man surft, mailt, smst, mmst, podcastet, googelt, twittert, facebookt, bloggt ...

Und das sind sie, die AK'ler (v.l.n.r.): Hauke Ehlers (Hamburg), Tabea Sdunek (Bargteheide), Lars Johannsen (Kiel), Mareike Hans (Hamburg),  Mazze Möller (Kiel), Volker Riewesell (Bünsdorf).

 

AK-T

Wir treffen uns 3-4 Mal im Jahr und überlegen, was wir den Teenkreisen und vor allem den Teenkreis-Mitarbeitern im EC-Nordbund Gutes tun können. Wir planen Freizeiten, Seminare, Teentreffen und vieles mehr und entscheiden über Themen, Anschaffungen, Reiseziele ...

Wir versuchen, die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch der Teenkreise untereinander zu fördern und Neues zu wagen (ICH GLAUB's-Wochen, Wokos = 1-wöchige Wohn-Kommunen ...) und natürlich beten wir für jeden unserer EC-Nordbund-Teenkreise ...

 

Mit Teens unterwegs zu sein, ist einfach klasse! Wenn Sie, lieber Leser, hin und wieder auch an uns im Gebet denken, das wäre super. Denn wir möchten nichts lieber als die Teens für ein Leben mit Jesus gewinnen und sie in ihrer Freundschaft mit Jesus begleiten, herausfordern und stärken. Das können wir selber aber gar nicht. Aber Gott kann!

 


Erfrischt und erneuert

 

14. Juni 2009: Es geht los, zum Jahresfest. Umleitung im Dorf, also immer dem Deich entlang: nach Moorrege. Was für uns bekannt, lässt den Kieler oder Flensburger fragen: Wo, bitte schön, ist Moorrege?!

Viele Rennradfahrer unterwegs hier am Deich. "Los Papa überhol sie!", krakelt unser 4-Jähriger von hinten.

Oh, hier wird schon geparkt, na dann mal raus und schnell zur Halle.

Vor der Halle warten zwei Uetersenerinnen mit einem Schild: "Kinderbetreuung für 3- bis 4-Jährige". Ja, das ist richtig. "Nur so wenige?" "Nein, ich stehe hier nur für die Nachzügler, die anderen sind schon im Kindergarten." Ach so, ja, wenn man es nicht weit hat, neigt man dazu, etwas später zu kommen. Also dann "Tschüß. Habt viel Spaß."

jf_09_01Wir betreten die Halle, die ein wenig dunkel ist und komisch riecht. Ist ja auch eine Turnhalle, wie nicht schwer zu erkennen ist. Vorne zwischen den mit Blumen geschmückten Basketballkörben ist ein tolles Bühnenbild zu sehen: Wolkenhimmel, angeschienen von 28 Scheinwerfern. "Haben das alles die Techniker dort oben angeschraubt?" Außerdem werden wir sehr freundlich begrüßt: "Guten Morgen, schön dass Sie da sind", kann man auf den Leinwänden links und rechts lesen.

Enno Karstens, unser Vorsitzender, begrüßt uns mit Worten aus Psalm 23.

Katrin Obermeyer und Wolfgang Tarrach führen uns souverän und sehr viel Ruhe ausstrahlend durch den Tag.

Wolfgang Tarrach sagt etwas von Infozetteln, die wir entweder in Händen halten oder auf die wir uns gesetzt haben. Ich habe den Eindruck weder noch. Ich rutsche mal ein bisschen auf dem Stuhl hin und her. Nein, ich sitze auch nicht drauf. Na ja, ich kann ja nachher mal bei meinem Nachbarn reinschauen. Das Lied zum Tag soll draufstehen, wir würden es erst nachmittags singen und könnten es ja bis dahin auswendig lernen. Ich möchte mal wissen, ob das jemand gemacht hat. Es gab doch genügend anderes zu erleben.

jf_09_03Die Posaunen und eine "Auswahl von Phasn", "Phasn small oder light" begleiteten uns musikalisch durch den Tag.

Grußwort, Interview, Lieder, Moment der Stille und Lesung gehen der Predigt von der holländischen Referentin Noor van Haaften voran. Und es ist genauso wie es auf dem Einladeflyer stand: "Sie hat die besondere Begabung, biblische Texte mit den Herausforderungen unsers Lebens in Beziehung zu setzen."

Es ging um Israels Befreiung aus Ägypten, die Wüstenwanderung und den Einzug ins verheißene Land. Es ist eine Beschreibung unseres Lebens, wie wir manchmal mühselig vorankommen, aber Gott zeigt sich geduldig, ausdauernd und gnädig. Wenn es nicht nach unseren Vorstellungen geht, blicken wir zurück: Heimweh nach Ägypten, hält das Volk und Gott auf. Dem menschlichen "Aber": es geht nicht, lieber unangenehm, aber vertraut. Steht Gottes "Aber": aber mit mir gegenüber.

Was passiert, wenn wir unserem menschlichen Aber Gottes Aber gegenübersetzen? Uns nicht arrangieren, sondern Glaubensschritte gehen? Sein lebendiges Wort ist wahr und funktioniert!

Dann wird die Welt erkennen, dass Gott lebt, wenn wir als Kinder der Verheißung leben.

Zum Segen stehen wir auf, beim Hinsetzen entdecke ich, dass ich doch auf einem Infozettel gesessen habe!

jf_09_05In der Mittagspause suchen wir zunächst einmal den Kindergarten. Als wir wieder zurück sind, hat sich vor dem Verpflegungsstand eine lange Schlange gebildet. Wie schön, dass Opa schon fast am Ziel angekommen ist und ein Würstchen mitbringt. Auf dem Schulhof, der angrenzenden Schule hören wir beim Essen Live-Musik von "Time for Folk" - klasse! Wir schauen mal nach, ob es auch Eis im Restaurant gibt, denn vor dem Eiswagen steht ebensolche Schlange. Nein, es gibt kein Eis, aber dort entdecken wir ein paar minigolfende Elmshorner, die ich mit meiner eben geschenkt bekommenen Schokolade erfreue. Irgendwo haben sich auch Gartenfreunde, Sportfans, Bastler ... getroffen. Ich habe sie nicht entdeckt, vielleicht standen sie aber auch in der Würstchenschlange. Ein Bus war zum Rosarium unterwegs (hier waren bestimmt die Gartenfreunde). Der ein oder andere hat sich vielleicht eine Wegbeschreibung zum Spaziergang geholt. Die Umgebung sah sehr spaziergehfreundlich aus.

Am Nachmittag haben wir uns die Bilder der Mittagspause ansehen können, bevor es mit "Möglichem und Unmöglichem" aus dem VG mit Enno Karstens und Thomas Hohnecker weitergeht.

Ein Anspiel, welches mit dem Lied "Brigde over troubled water" von Simon & Garfunkel untermalt wurde, führen nun einige Uetersener auf.

jf_09_02Nach einer "Umbauphase" (Wolfgang Tarrach stellt der frisch am Knie operierten Referentin einen Stehstuhl ans Pult) geht es weiter mit der zweiten Predigt über den Bibeltext Matthäus 14,22. Johannes der Täufer ist umgebracht worden, Jesus und die Jünger sind angeschlagen und brauchen Ruhe. Erleben dann aber alles andere als Ruhe: Speisung und Sturmstillung. Jesus und die Jünger gehen über ihre Grenzen. Dann und wann auf Entspannung verzichten ist angesagt.

Die müden Jünger haben noch mehr Aufregung erfahren, aber sie sind erfrischt und erneuert. Sie haben Neues entdeckt. Noor van Haaften wünscht uns Abenteuer im Glauben. Männer und Frauen, die mit Gott rechnen.

Während eines Segnungsangebotes singen wir viele schöne Lieder. Der Nachmittag klingt aus.

Ca. 800 Leute haben einen schönen Tag erlebt! Wie sagte es der Propst im Grußwort: Ein Treffen der Bestärkung und Kräftigung. Ja das war es!

Nun wieder zum Kindergarten. Auf dem Weg dorthin höre ich Clown Mücke vom Kinderfest der 5-12-Jährigen "Wollt ihr, dass ich mit brennenden Fackeln jongliere?", ruft er ein paar Mal und jedesmal brüllt eine Horde Kinder zurück: "Ja!". "Da muss irgendwas mit Sport sein", meint eine ältere Radfahrerin zu ihrem Mann, als sie an mir vorbeifahren.

Nun noch beim Teeniefest abräumen, denn ich gehöre ja zu den Elmshornern, die für das Teenfest zuständig sind. Wir suchen überall, wo es etwas zum Abbauen gibt: Menschenkicker und andere Spielstände, wo seid ihr? "Ist schon alles weg", höre ich. Na dann, auf nach Hause - immer dem Deich entlang.

Kerstin Ewert-Mohr, Seestermühe

 

Mehr Bilder vom Jahresfest finden Sie hier

 



seniorenfreizeit_01Freizeit für jüngere und ältere Senioren in Bad Harzburg

Schon Anfang des Jahres stand dieses Angebot in GEMEINSCHAFT LEBEN. Da wir Senioren gern verreisen und uns ein so schönes, vielfältiges Programm angeboten wurde, waren die 40 Plätze schnell vergeben.

Reinhard Liebmann (Lübeck) und Prediger Traugott Kögler (Burg) gestalteten diese Tage gemeinsam. Unser Domizil waren die Gästehäuser des Diakonissen-Mutterhauses Kinderheil in Bad Harzburg. Auf diesem Gelände befindet sich eine eigene Kirche, eine Senioren-Wohnanlage, ein Pflegeheim, Wohnungen für die Diakonissen und die Leitung. Die ganze Anlage ist gärtnerisch wunderbar gestaltet am Fuße des Burgberges im Krodotal.

Da wir aus verschiedenen Gemeinschaften unseres Verbandes zusammentrafen, gab es alte und neue Bekanntschaften zu pflegen. Dazu boten sich genügend Gelegenheiten: bei der Morgengymnastik, den gemeinsamen Mahlzeiten, bei den Ausflügen und den Andachten. Diese standen unter dem Thema: "Berge der Bibel":

 

  1. Ararat - "Berg der Errettung" (l. Mo 7). Auf Geheiß Gottes baut Noah die Arche und wird mit seinem ganzen Gefolge gerettet.
  2. Morija - "Berg der Erprobung/Prüfung" (l. Mo 22). Abraham erkannte nicht den Sinn, aber er vertraute; Gott wird es richten, ER sieht dich.
  3. Karmel - "Berg der Entscheidung" (l. Kön 17+18).
    a) Elia ein starker Wortverkündiger;
    b) Elia, niedergedrückt wegen seiner schweren Aufgabe;
    c) Gott stärkt ihn erneut für seine Aufgabe.
  4. Ölberg -
    a) "Berg der Sendung" (Matth 28,16-20) -
    b) "Berg der Himmelfahrt" (Luk 24,50-51) -
    c) "Berg der Wiederkunft Christi" (Sach 14) Jesus sendet seine Jünger und rüstet sie aus (Apg l,8). Wir alle sind gemeint. Es ist kein Befehl, sondern Zusage: Gott rüstet einen jeden aus.
  5. "Berg der Seligpreisungen" (Matth 5,l-12)
    a) die Seligpreisungen sind an seine Jünger gerichtet;
    b) sie sind kein Forderungskatalog;
    c) das Evangelium ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben (Röm l,16). Jesus beschreibt mit den Seligpreisungen einen inneren Weg. Je mehr wir uns auf ihn einlassen, dürfen wir von seiner Liebe und Gnade erfüllt - glücklich - werden, selig sein; in allen Lebenslagen von ihm begleitet.

Auch die Abende wurden wechselhaft ausgestaltet:

Pastor Ubben (Vorsteher des DMK) gab einen interessanten Bericht über die Entstehung des großen Geländes, des Diakonissen-Mutterhauses Kinderheil, und einen Überblick über den Lebenslauf von Johannes Bugenhagen. Ingeburg und Reinhard Liebmann erfreuten uns mit einem musikalischen Abend über Felix Mendelssohn-Bartholdy (200. Geburtsjahr) mit vielen Ausschnitten seiner Werke. Auch das Singen wurde kräftig geübt, so dass beim Abschlussgottesdienst der Freizeitchor auftreten konnte.

seniorenfreizeit_02Der "bunte Abend" wurde von einigen Aktiven aus der Freizeitgruppe zur Freude aller ausgestaltet.

Neben den oben angeführten Programmen durften wir auch die schöne Natur und einige Besichtigungen im Harz erleben. Einen Nachmittag ging es mit dem Bus nach Goslar, wo wir die Kaiserpfalz besichtigten und einen Stadtrundgang durch die alten Straßen machten. Was für schöne, alte Fachwerkhäuser durften wir sehen. Fast war die Zeit zu kurz, um alles mit den Augen zu genießen.

Am Donnerstag, dem 18. Juni, hatten wir dann den ganzen Tag Zeit, mit dem Bus den Ost-Harz zu erkunden. Vom Diakonissen-Mutterhaus bekamen wir ein großes Lunchpaket mit auf den Weg und Getränke waren auch im "Untergeschoss" des Busses verstaut. So konnte es fröhlich mit unserer Reise durch den Ost-Harz beginnen.

seniorenfreizeit_03Zuerst ging es nach Quedlinburg und dort angekommen, mit einer kleinen "Bimmelbahn" durch den Ort und anschließend zum Schlossberg, wo wir die Räumlichkeiten des Schlosses besichtigen konnten. Wieder zum Busparkplatz zurückgekehrt, hatten wir eine gemütliche Mittagspause, in der wir den Inhalt unserer Lunchpakete und Getränke verzehren konnten. Nachdem sich alle gestärkt hatten, ging es weiter nach Thale zum "Hexentanzplatz" (der Sage nach!). Dort genossen wir bei Kaffee und Kuchen das schöne Panorama über die Wälder und Felsen des Harzes. Anschließend ging es weiter zum Höhepunkt des Tages: "Besichtigung der Baumannshöhle" in Rübeland. Eine Tropfsteinhöhle von ca. l km Länge in unterschiedlichen Höhen, die von uns allen eine gute Kondition im Treppensteigen erforderte (ca. 300 Stufen mussten bewältigt werden!). - Sogar eine 86-jährige Teilnehmerin schaffte diese Herausforderung! - Aber es war wunderbar zu sehen, was ein stetiger Tropfen Wasser in den Jahrhunderten bewirken kann. Wir konnten nur staunen und werden uns bestimmt noch lange an diese Höhle erinnern (auch an den akustischen Genuss eines Kanons, den wir dort gesungen haben!).

Abends, wieder im Diakonissen-Mutterhaus angekommen, hatten wir noch einen fröhlichen "bunten Abend", den einige aus der Freizeitgruppe vorbereitet hatten. Nun ging es bald auf das Ende der Freizeit zu, und wir hatten noch keine Zeit gehabt, Bad Harzburg selbst kennen zu lernen. Dafür war der letzte Tag geplant: Bad Harzburg und Umgebung wurden erkundet. Jeder so, wie er meinte: zu Fuß oder mit dem Auto. Am Abend war dann ein Freizeitrückblick und ein Ausblick auf eine mögliche Freizeit in 2 Jahren angesagt. Es war für alle eine wunderschöne Zeit im Hören auf Gottes Wort, im Miteinander der Freizeitteilnehmer und auch mit den Schwestern des Diakonissen-Mutterhauses Kinderheil. Es war für mich persönlich eine von Gott geschenkte Woche der Erholung an Leib und Seele. Ich kann nur Mut machen, solche angebotenen Freizeiten mitzumachen. Es lohnt sich!

Am Schluss bedanken wir uns

- bei allen, die uns im Hause so liebevoll und reichlich, insbesondere bei den Mahlzeiten, versorgt haben, u. a. auch Schw. Bärbel;

- bei Prediger T. Kögler für seine hilfreichen und ermutigenden Bibelarbeiten, die uns noch weiterhin begleiten werden;

- bei Reinhard Liebmann (der auch zu beglückwünschen ist!) für alle Vorbereitungen und Durchführungen dieser wunderbaren Freizeit.

Margarete Janke, Kappeln und Hanna Baumgärtel, Lübeck

 


Eine Erdnuss im Himmel?

 

erdnuesseVor kurzer Zeit sah ich ein Experiment im Fernsehen. Eine Gruppe von Studenten spielte ein Spiel. Die Sieger bekamen eine kleine Packung Erdnüsse. Damit die Verlierer aber nicht leer ausgehen mussten, wurde ein weiteres Spiel gespielt. Die Verlierer sollten aufschreiben, für wie viel Geld sie den Siegern ihre Erdnüsse abkaufen würden. Gleichzeitig schrieben die Sieger auf, für welche Summe sie bereit wären ihre Erdnüsse zu verkaufen.

Während die Verlierer die Preise von Erdnüssen realistisch einschätzten, waren die geforderten Preise deutlich überhöht.

 

Diese kleine Testreihe hat gezeigt, dass Jesus recht hatte, als er sagte: Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz. Wenn wir uns etwas verdient haben, dann hängen wir unser Herz daran. Und dann werden selbst Erdnüsse überdurchschnittlich viel wert.

 

Und was haben wir uns nicht alles verdient: Das Feierabendbier am Samstag, wenn der Rasen gemäht und das Unkraut gezupft ist. Die Chanel-Handtasche aus dem Türkeiurlaub, nachdem wir ein ganzes Jahr ohne Urlaub durchgearbeitet haben. Oder den Ruhestand mit 65, nachdem wir endlich nicht mehr bei Regen früh morgens aus dem Haus müssen, um fremden Leuten die Post zu bringen. Das alles und noch viel mehr haben wir uns redlich verdient. Und deshalb hängen wir unser Herz so schnell daran.

Aber mindestens genausoviel haben wir nicht verdient. Was ist mit dem Herzinfarkt beim Rasenmähen? Mit dem Flugzeugabsturz nach den Flitterwochen in der Türkei? Oder mit der Trauerfeier kurz vor dem 66. Geburtstag? Nichts davon haben wir verdient. Und trotzdem kann es uns treffen. An unserer Lebenslänge können wir nichts drehen. Bei aller noch so sinnvollen Vorsorge: Wir können uns nicht einen Extratag verdienen.

Im Anbetracht dieser Tatsache wirkt es fast lächerlich, woran wir unser Herz hängen.

 

Gott hat sein Herz an uns gehängt! Wir sind für ihn überdurchschnittlich viel wert. Er hat uns verdient! Er hat uns losgekauft und erlöst (Mk10,45). Wenn wir uns an ihn halten und nach seinem Reich trachten, dann wird er für uns sorgen. Dann wird er sich an unserer Stelle sorgen und uns versorgen, denn er weiß, was wir brauchen! Wir sind sein Schatz! Er investiert in uns unverhältnismäßig viel. Um das, was wir brauchen, müssen wir uns nicht mehr sorgen, denn er sorgt für uns (1.Petr 5,7).

Um in dem Bild vom Anfang zu bleiben: Was will ich mit einer Erdnuss im Himmel? Was kümmern wir uns also um unsere Peanuts? Aber vielleicht können unsere Erdnüsse zu himmlischen Nüssen für andere werden. Teilen wir sie großzügig. Wir haben sie doch gar nicht verdient sondern nur gewonnen. Kümmern wir uns doch lieber um das wirklich Wichtige im Leben und im Sterben. Trachten wir nach dem Himmelreich. Werden wir großzügig und großherzig hier auf der Erde. Damit gewinnen wir einen Schatz im Himmel.

Strecken wir uns nach dem Himmel aus. Er ist offen für uns. Streben wir nach mehr Himmel auf Erden und es gibt mehr Erde im Himmel. Denn wo wir nach dem Himmel streben, da wird Gottes Reich zu unserem "reich". Und wo unser Schatz ist, da ist auch unser Herz. Im Himmel - Halleluja!

SeegerPredigervikar Thomas Seeger, Neumünster

 


 

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